Mit dem E-Gravelbike durch Österreich: drei Touren

Alpine Schotterstrasse an einem türkisen Bergsee in Österreich

Österreich ist für E-Gravelbikes fast zu gut geeignet. Almstraßen, Weinbergwege und Donauradweg liegen oft nur eine Stunde auseinander, und der Höhenunterschied zwischen Talboden und Passhöhe erledigt sich mit Motorunterstützung deutlich entspannter. Nach 2.900 Kilometern auf einem Mondraker Dusty RR und drei Touren quer durch das Land steht fest, wo dieses Radkonzept glänzt – und wo der Akku zum Problem wird.

Was ein E-Gravelbike in Österreich darf

Bevor es um Strecken geht, ein Punkt, den viele Gäste falsch einschätzen: Pedelecs mit Unterstützung bis 25 km/h gelten in Österreich verkehrsrechtlich als Fahrräder. Es gibt keine Zulassungs-, Versicherungs- oder Helmpflicht für Erwachsene, und die Räder dürfen überall dort fahren, wo Fahrräder fahren dürfen.

Genau da liegt aber die entscheidende Einschränkung. Forststraßen sind in Österreich Privatgrund, und das Radfahren ist dort nach dem Forstgesetz grundsätzlich untersagt, sofern der Weg nicht ausdrücklich freigegeben ist. Das gilt für Fahrräder mit und ohne Motor gleichermaßen. Wer plant, sollte deshalb auf offiziell beschilderte Mountainbike- und Radrouten setzen – davon gibt es in allen Bundesländern reichlich.

Drei Touren mit dem E-GravelbikeHöhenmeter entscheiden über die Reichweite, nicht die KilometerTourLängeHöhenmeterAkkuUntergrundSalzkammergut-Seen74 km980 hmreicht knappSchotter, AsphaltWachau-Terrassen58 km620 hmreicht sicherRadweg, WeinbergeNockberge-Runde46 km1.310 hmnur mit ExtenderAlmstraße, SchotterGefahren im August 2024 mit 82 kg Fahrergewicht und 5 kg Gepäckortneronline.at

Alle drei Touren wurden im August 2024 gefahren, mit 82 Kilogramm Fahrergewicht und rund fünf Kilogramm Gepäck. Das Rad war in der mittleren von drei Unterstützungsstufen unterwegs, der Range Extender mit 171 Wattstunden bei zwei von drei Touren im Flaschenhalter.

Tour 1: Salzkammergut-Seen, 74 Kilometer

Die Runde verbindet mehrere Seen des inneren Salzkammerguts über eine Mischung aus asphaltierten Uferwegen und geschotterten Verbindungen. Das Profil ist wellig statt steil – ideal für ein Rad, dessen Nabenmotor bei moderaten Steigungen am effizientesten arbeitet.

Charakteristisch für die Region ist der schnelle Wechsel zwischen Untergründen. Feiner Uferschotter, grober Wirtschaftsweg, dann wieder Asphalt. Die serienmäßigen Maxxis Rambler in 700 × 40 sind dafür gut gewählt: schnell genug für Asphaltabschnitte, profiliert genug für losen Schotter.

Der Akku hielt die 74 Kilometer mit 980 Höhenmetern durch, allerdings knapp. Bei der Rückkehr standen noch acht Prozent auf der Anzeige. Wer die Tour bei Gegenwind oder mit mehr Gepäck fährt, sollte den Range Extender mitnehmen.

Reichweite nach TourenprofilGemessen mit 350-Wh-Akku, der Range Extender bringt 171 Wh dazuFlach, Stufe 1108 kmGemischt + Extender94 kmGemischt, Stufe 262 kmAlpin, Stufe 341 kmHerstellerangabe: bis 180 km, im Test nie annähernd erreichtortneronline.at

Tour 2: Wachauer Terrassen, 58 Kilometer

Die Wachau kennen die meisten als Donauradweg – flach, asphaltiert, gut ausgebaut. Interessant für ein Gravelbike wird sie erst oberhalb davon. Die Wege zwischen den Weinterrassen von Spitz, Weißenkirchen und Dürnstein sind kurz, steil und oft geschottert.

Genau hier zeigt der MAHLE X20 seine Grenze. An den steilsten Rampen zwischen den Terrassen, teils deutlich über zwölf Prozent, geht dem Nabenmotor bei niedriger Trittfrequenz die Kraft aus. Wer im richtigen Gang bleibt und die Trittfrequenz oben hält, kommt gut hinauf. Wer unter Last schaltet, erlebt einen kurzen Aussetzer der Unterstützung.

🚲 Praxistipp für steile Rampen Der Nabenmotor arbeitet über die Trittfrequenz, nicht über die Übersetzung. Vor einer steilen Rampe zwei Gänge früher schalten als gewohnt und mit 75 bis 85 Umdrehungen pro Minute anfahren – dann bleibt die Unterstützung konstant. Unter 60 Umdrehungen bricht sie spürbar ein.

Mit 620 Höhenmetern auf 58 Kilometern war diese Tour die genügsamste. Der Hauptakku reichte problemlos, der Range Extender blieb unbenutzt im Rucksack.

Infografik: Drei Gravel-Touren in Österreich im Vergleich

Tour 3: Nockberge, 46 Kilometer und 1.310 Höhenmeter

Die anspruchsvollste der drei Touren führt in die Kärntner Nockberge. Die Nockalmstraße ist eine mautpflichtige Panoramastraße – für Radfahrende ist die Benutzung frei, was sie zu einer der schönsten Auffahrten des Landes macht. Der Belag ist durchgehend asphaltiert, die Zubringer und Almwege darum herum sind es nicht.

1.310 Höhenmeter auf 46 Kilometern bedeuten einen Schnitt von 28 Höhenmetern pro Kilometer. Für den 350-Wattstunden-Akku ist das die Grenze. Ohne Range Extender wäre die Tour in der mittleren Unterstützungsstufe nicht zu schaffen gewesen – die Messung ergab 41 Kilometer Reichweite bei alpinem Profil.

Tourenbilanz bis Ende August 2024Fünf Monate Dauereinsatz zwischen Alpenrand und Donautal2.900 kmGesamtlaufleistung seit dem Kauf im April31.900 hmgesammelte Höhenmeter im Testzeitraum521 WhKapazität mit Range Extender im Flaschenhalter1:50 hLadezeit von leer auf 80 ProzentAlle Werte aus dem laufenden Langzeittestortneronline.at

Mit dem Zusatzakku im Flaschenhalter war die Runde komfortabel machbar. Wichtig ist die Reihenfolge: Der Range Extender wird zuerst leergefahren, danach übernimmt der Hauptakku. So bleibt für die Abfahrt und den Rückweg immer Reserve im Unterrohr.

Reichweite planen statt hoffen

Die wichtigste Lehre aus drei Touren: Bei einem leichten E-Bike planen Höhenmeter die Tour, nicht Kilometer. Mondraker nennt für den Dusty bis zu 180 Kilometer Reichweite – dieser Wert wurde im gesamten Testzeitraum nie annähernd erreicht und setzt eine flache Strecke in der niedrigsten Stufe voraus.

Realistisch sind rund 350 Höhenmeter pro 100 Wattstunden bei mittlerer Unterstützung. Für eine Tour mit 1.000 Höhenmetern heißt das: knapp 290 Wattstunden allein für den Anstieg, dazu der Rollanteil. Wer diese Faustregel anwendet, kommt zuverlässiger nach Hause als jemand, der der Restreichweitenanzeige vertraut. Diese wich am Berg im Test um bis zu 18 Prozent nach unten ab.

Die Ladeinfrastruktur ist dabei kein Thema. Der Akku lädt an jeder Haushaltssteckdose, in 1:50 Stunden auf 80 Prozent. Eine ausgedehnte Mittagspause in einem Gasthof genügt, um eine zweite Tageshälfte zu ermöglichen – ein Vorteil, den die E-Mobilität in urbanen Räumen im Autobereich so nicht kennt.

Was ins Gepäck gehört

Für Tagestouren in den Alpen hat sich eine schlanke Ausrüstung bewährt: Tubeless-Plug-Set und Ersatzschlauch, Multitool mit Kettennieter, Minipumpe, Regenjacke, zwei Liter Wasser, Riegel für den Fall, dass die geplante Hütte geschlossen hat. Das Ladegerät bleibt zu Hause, sofern keine Übernachtung geplant ist – es wiegt mehr, als der Notfall es rechtfertigt.

Wichtiger als jedes Werkzeug ist die Wetterbeobachtung. Gewitter bilden sich in den Nockbergen und im Salzkammergut regelmäßig ab dem frühen Nachmittag. Wer um sechs Uhr startet und um vierzehn Uhr zurück ist, umgeht das Problem – die gleiche Logik, die auch eine gute Wanderplanung ausmacht.

Fazit nach fünf Monaten

Nach 2.900 Kilometern und 31.900 Höhenmetern seit April 2024 ist die Bilanz klar. Das Mondraker Dusty RR ist ein hervorragendes Tourenrad für welliges bis mittelsteiles Gelände, wie es das Salzkammergut oder die Wachau bieten. Es ist leise, leicht genug zum Tragen über Zäune und Stufen und fährt sich auch mit leerem Akku noch wie ein Fahrrad.

Im Hochgebirge stößt das Konzept an seine Grenzen – nicht wegen des Motors, sondern wegen des Akkus. 350 Wattstunden sind für 1.300 Höhenmeter zu wenig. Wer regelmäßig alpine Touren plant, sollte den Range Extender als Pflichtausstattung betrachten und nicht als Zubehör.

Häufige Fragen

Darf man mit dem E-Bike auf österreichischen Forststraßen fahren?
Grundsätzlich nicht. Forststraßen sind Privatgrund, und das Radfahren ist dort nach dem Forstgesetz nur erlaubt, wenn der Weg ausdrücklich freigegeben ist. Das gilt für Räder mit und ohne Motor. Offiziell beschilderte Mountainbike- und Radrouten sind davon ausgenommen – davon gibt es in allen Bundesländern ein dichtes Netz.

Wie viele Höhenmeter schafft ein 350-Wattstunden-Akku?
In unserem Test waren es rund 350 Höhenmeter pro 100 Wattstunden in der mittleren Unterstützungsstufe, bei 82 Kilogramm Fahrergewicht plus Gepäck. Ein voller Hauptakku reicht damit für etwa 1.200 Höhenmeter, sofern der Rollanteil moderat bleibt. Mit dem Range Extender sind rund 1.800 Höhenmeter machbar.

Gilt für Pedelecs in Österreich eine Helmpflicht?
Für Erwachsene nicht. Kinder unter zwölf Jahren müssen beim Radfahren einen Helm tragen. Pedelecs mit Unterstützung bis 25 km/h und maximal 600 Watt Nenndauerleistung gelten als Fahrräder, brauchen also weder Kennzeichen noch Versicherung noch Führerschein.

Wo lädt man unterwegs?
An jeder Haushaltssteckdose. Der MAHLE-Akku erreicht mit dem 4-Ampere-Ladegerät in etwa 1:50 Stunden 80 Prozent Ladung. Viele Gasthöfe und Almhütten in den Tourengebieten bieten das inzwischen an. Für Tagestouren lohnt es sich meist nicht, das Ladegerät mitzunehmen – der Range Extender ist die leichtere Lösung.

Welche Reifenbreite empfiehlt sich für alpine Schotterstraßen?
Der Rahmen nimmt Reifen bis rund 45 Millimeter auf. Serienmäßig sind 40 Millimeter montiert, die für gut ausgebaute Almstraßen ausreichen. Auf grobem Bruchschotter sind 45 Millimeter mit niedrigerem Druck spürbar komfortabler, weil dem Rad in dieser Ausstattungsvariante eine Federgabel fehlt.

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