Österreich ist für E-Gravelbikes fast zu gut geeignet. Almstraßen, Weinbergwege und Donauradweg liegen oft nur eine Stunde auseinander, und der Höhenunterschied zwischen Talboden und Passhöhe erledigt sich mit Motorunterstützung deutlich entspannter. Drei Touren quer durch das Land zeigen am Beispiel eines Mondraker Dusty RR, wo dieses Radkonzept glänzt und wo der Akku zum Problem werden kann.
Was ein E-Gravelbike in Österreich darf
Bevor es um Strecken geht, ein Punkt, den viele Gäste falsch einschätzen: Pedelecs mit Unterstützung bis 25 km/h gelten in Österreich verkehrsrechtlich als Fahrräder. Es gibt keine Zulassungs-, Versicherungs- oder Helmpflicht für Erwachsene, und die Räder dürfen überall dort fahren, wo Fahrräder fahren dürfen.
Genau da liegt aber die entscheidende Einschränkung. Forststraßen sind in Österreich Privatgrund, und das Radfahren ist dort nach dem Forstgesetz grundsätzlich untersagt, sofern der Weg nicht ausdrücklich freigegeben ist. Das gilt für Fahrräder mit und ohne Motor gleichermaßen. Wer plant, sollte deshalb auf offiziell beschilderte Mountainbike- und Radrouten setzen – davon gibt es in allen Bundesländern reichlich.
Die Einschätzung zum Akku gilt für die mittlere von drei Unterstützungsstufen, ein Fahrergewicht um 90 Kilogramm und rund fünf Kilogramm Gepäck. Sie beruht auf der Faustregel weiter unten, nicht auf einer Messfahrt auf genau diesen Strecken.
Tour 1: Salzkammergut-Seen, 74 Kilometer
Die Runde verbindet mehrere Seen des inneren Salzkammerguts über eine Mischung aus asphaltierten Uferwegen und geschotterten Verbindungen. Das Profil ist wellig statt steil – ideal für ein Rad, dessen Nabenmotor bei moderaten Steigungen am effizientesten arbeitet.
Charakteristisch für die Region ist der schnelle Wechsel zwischen Untergründen. Feiner Uferschotter, grober Wirtschaftsweg, dann wieder Asphalt. Die serienmäßigen Maxxis Rambler in 700 × 40 sind dafür gut gewählt: schnell genug für Asphaltabschnitte, profiliert genug für losen Schotter.
Mit 980 Höhenmetern auf 74 Kilometern wird es für den Hauptakku knapp. Wer die Tour bei Gegenwind oder mit mehr Gepäck fährt, sollte den Range Extender mitnehmen.
Tour 2: Wachauer Terrassen, 58 Kilometer
Die Wachau kennen die meisten als Donauradweg – flach, asphaltiert, gut ausgebaut. Interessant für ein Gravelbike wird sie erst oberhalb davon. Die Wege zwischen den Weinterrassen von Spitz, Weißenkirchen und Dürnstein sind kurz, steil und oft geschottert.
Hier dürfte der MAHLE X20 an seine Grenze kommen. An den steilsten Rampen zwischen den Terrassen geht einem Nabenmotor bei niedriger Trittfrequenz die Kraft aus – das beschreibt auch die Fachpresse. Wer im richtigen Gang bleibt und die Trittfrequenz oben hält, kommt gut hinauf. Wer unter Last schaltet, erlebt einen kurzen Aussetzer der Unterstützung.
Mit 620 Höhenmetern auf 58 Kilometern ist diese Tour die genügsamste. Der Hauptakku reicht nach der Faustregel mit Reserve.
Tour 3: Nockberge, 46 Kilometer und 1.310 Höhenmeter
Die anspruchsvollste der drei Touren führt in die Kärntner Nockberge. Die Nockalmstraße ist eine mautpflichtige Panoramastraße – für Radfahrende ist die Benutzung frei, was sie zu einer der schönsten Auffahrten des Landes macht. Der Belag ist durchgehend asphaltiert, die Zubringer und Almwege darum herum sind es nicht.
1.310 Höhenmeter auf 46 Kilometern bedeuten einen Schnitt von 28 Höhenmetern pro Kilometer. Für den 350-Wattstunden-Akku ist das die Grenze. Nach unserer vorsichtigen Faustregel wird es ohne Range Extender in der mittleren Unterstützungsstufe sehr knapp. Die TOUR kam bei sportlicher Fahrweise immerhin auf rund 50 Kilometer mit 1.600 Höhenmetern. Wer am Berg keine Reserve verschenken will, nimmt den Zusatzakku trotzdem mit.
Mit dem Zusatzakku im Flaschenhalter wird die Runde komfortabel machbar. Wichtig ist die Reihenfolge: Der Range Extender wird zuerst leergefahren, danach übernimmt der Hauptakku. So bleibt für die Abfahrt und den Rückweg immer Reserve im Unterrohr.
Reichweite planen statt hoffen
Die wichtigste Regel: Bei einem leichten E-Bike planen Höhenmeter die Tour, nicht Kilometer. Mondraker nennt für den Dusty bis zu 180 Kilometer Reichweite – dieser Wert gilt unter Idealbedingungen in der niedrigsten Stufe und ist im Alltag kaum zu erreichen.
Als vorsichtige Faustregel taugen rund 350 Höhenmeter pro 100 Wattstunden bei mittlerer Unterstützung. Für eine Tour mit 1.000 Höhenmetern heißt das: knapp 290 Wattstunden allein für den Anstieg, dazu der Rollanteil. Wer diese Faustregel anwendet, kommt zuverlässiger nach Hause als jemand, der sich allein auf die Restreichweitenanzeige verlässt.
Die Ladeinfrastruktur ist dabei kein Thema. Der Akku lädt an jeder Haushaltssteckdose, laut MAHLE in unter zwei Stunden auf 80 Prozent. Wer das Ladegerät einpackt, holt sich in einer ausgedehnten Mittagspause im Gasthof die Energie für die zweite Tageshälfte – ganz ohne Ladesäule, auf die die E-Mobilität in urbanen Räumen beim Auto angewiesen ist.
Was ins Gepäck gehört
Für Tagestouren in den Alpen reicht eine schlanke Ausrüstung: Tubeless-Plug-Set und Ersatzschlauch, Multitool mit Kettennieter, Minipumpe, Regenjacke, zwei Liter Wasser, Riegel für den Fall, dass die geplante Hütte geschlossen hat. Das Ladegerät bleibt zu Hause, sofern weder Übernachtung noch Ladepause geplant sind – für den Notfall allein lohnt sein Gewicht nicht.
Wichtiger als jedes Werkzeug ist die Wetterbeobachtung. Gewitter bilden sich in den Nockbergen und im Salzkammergut regelmäßig ab dem frühen Nachmittag. Wer um sechs Uhr startet und um vierzehn Uhr zurück ist, umgeht das Problem – die gleiche Logik, die auch eine gute Wanderplanung ausmacht.
Fazit
Nach knapp 3.000 Kilometern seit April 2024 ist die Bilanz klar. Das Mondraker Dusty RR ist ein hervorragendes Tourenrad für welliges bis mittelsteiles Gelände, wie es das Salzkammergut oder die Wachau bieten. Es ist leise, leicht genug zum Tragen über Zäune und Stufen und fährt sich auch mit leerem Akku noch wie ein Fahrrad.
Im Hochgebirge stößt das Konzept an seine Grenzen – vor allem wegen des Akkus. Mit 350 Wattstunden werden 1.300 Höhenmeter knapp. Wer regelmäßig alpine Touren plant, sollte den Range Extender als Pflichtausstattung betrachten und nicht als Zubehör.
Häufige Fragen
Darf man mit dem E-Bike auf österreichischen Forststraßen fahren?
Grundsätzlich nicht. Forststraßen sind Privatgrund, und das Radfahren ist dort nach dem Forstgesetz nur erlaubt, wenn der Weg ausdrücklich freigegeben ist. Das gilt für Räder mit und ohne Motor. Offiziell beschilderte Mountainbike- und Radrouten sind davon ausgenommen – davon gibt es in allen Bundesländern ein dichtes Netz.
Wie viele Höhenmeter schafft ein 350-Wattstunden-Akku?
Als vorsichtige Faustregel gelten rund 350 Höhenmeter pro 100 Wattstunden in der mittleren Unterstützungsstufe, bei knapp 90 Kilogramm Fahrergewicht plus Gepäck. Ein voller Hauptakku reicht damit für etwa 1.200 Höhenmeter, sofern der Rollanteil moderat bleibt. Mit dem Range Extender sind rund 1.800 Höhenmeter machbar. In Tests der Fachpresse waren mit einer Akkuladung auch 1.600 Höhenmeter drin.
Gilt für Pedelecs in Österreich eine Helmpflicht?
Für Erwachsene nicht. Kinder unter zwölf Jahren müssen beim Radfahren einen Helm tragen. Pedelecs mit Unterstützung bis 25 km/h und maximal 600 Watt Nenndauerleistung gelten als Fahrräder, brauchen also weder Kennzeichen noch Versicherung noch Führerschein.
Wo lädt man unterwegs?
An jeder Haushaltssteckdose. Der MAHLE-Akku erreicht mit dem 4-Ampere-Ladegerät laut Hersteller in unter zwei Stunden 80 Prozent Ladung. Manche Gasthöfe erlauben das Laden, das MAHLE-Ladegerät muss man aber selbst mitbringen. Für Tagestouren lohnt es sich meist nicht, das Ladegerät mitzunehmen – der Range Extender ist die leichtere Lösung.
Welche Reifenbreite empfiehlt sich für alpine Schotterstraßen?
Der Rahmen nimmt Reifen bis rund 45 Millimeter auf. Serienmäßig sind 40 Millimeter montiert, die für gut ausgebaute Almstraßen ausreichen. Auf grobem Bruchschotter sind 45 Millimeter mit niedrigerem Druck spürbar komfortabler, weil dem Rad in dieser Ausstattungsvariante eine Federgabel fehlt.

